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Jiu Jitsu (Selbstverteidigung)

Die Geschichte des Jiu-Jitsu

Die Ursprungsformen dieser Kampfkunst kamen wahrscheinlich bereits im 10. Jahrhundert aus China nach Japan. Es ist anzunehmen, dass sie von Mönchen und Händlern ins Land gebracht wurden. Aber bereits vorher hat es in Japan sicherlich Formen der waffenlosen Selbstverteidigung gegeben.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Vorläufer des Jiu-Jitsu parallel zu den Waffensystemen in den verschiedenen Schulen. Eine reine waffenlose Selbstverteidigung hat es in den meisten Schulen sicherlich nicht gegeben. Nur wenn ein Kämpfer seiner Waffen entledigt war, musste er auf die waffenlosen Kampftechniken zurückgreifen können.

Erst in der friedvolleren Zeit der Tokugawa-Periode (auch Edo-Periode genannt - dauerte von 1603 bis 1868), als die großen Kämpfe bereits Geschichte waren, entwickelte sich aus den kriegerischen Nahkampfmethoden der Samurai das waffenlose Jiu-Jitsu.

Die Bezeichnung Jiu-Jitsu stellt allerdings einen Oberbegriff für viele Ryu (jap. für Fach-, Stilrichtung, Schulungsmethode) der waffenlosen Selbstverteidigung dar. Nicht nur Jiu-Jitsu, sondern fast jedes Kampfkunstsystem beinhaltete eine große Anzahl von Ryu, die wiederum selbst in Zweige (jap. Ha) aufgeteilt waren. Allein in Japan schätzt man die Anzahl der Ryu aller Kampfsysteme, die es bis Ende der Tokugawa-Periode gab, auf etwa 9000. Viele von ihnen waren geheim und nur wenige Schüler wurden darin unterrichtet.

Die meisten japanischen Ryu existieren heute leider nicht mehr. Dadurch ist ein großer Anteil an traditionellen Werten und Wissen in den Kampfkünsten verloren gegangen.

Doch nun zurück zu der Entstehung und Entwicklung des Jiu-Jitsu. Hierüber gibt es die verschiedensten Versionen.

Eine besagt, dass Jiu-Jitsu dadurch entstanden sein soll, dass der Chinese Tsin Gembin um 1650 an der Küste von Hokaido japanischen Samurai in die Hände fiel. Von ihm erlernten sie eine zuvor in China streng geheim gehaltene Selbstverteidigungsmethode.

Eine andere Entstehungsversion des Jiu-Jitsu geht auf den japanischen Arzt A. Yoshitoki aus Nagasaki zurück, der in China die Kunst des waffenlosen Nahkampfes studiert hatte. Er musste aber dabei feststellen, dass zur Ausführung der gelernten Griffe eine ziemliche Körperkraft gehört. An einem Wintertag soll er beobachtet haben, wie der Schnee von den Zweigen einer Weide durch deren Biegsamkeit immer wieder abgeworfen wurde, während die Äste anderer, scheinbar viel stärkerer (aber starrer) Bäume brachen. An anderer Stelle wird erklärt, er wurde während eines Spaziergangs von einem Sturm überrascht und konnte dabei beobachten, wie die geschmeidigen Äste einer Weide sich bei jedem Windstoß beugten und nachher wieder aufschnellten, während die starren Äste der kräftigen Bäume abbrachen.
Durch diese Beobachtungen soll er angeregt worden sein, ein Verteidigungssystem zu entwickeln, bei dem der Angegriffene durch "Nachgeben" den Sieg erzielt. Somit hatte auch ein schwächere Verteidiger eine Chance einem stärkeren Angreifer zu besiegen.
Der Arzt gründete eine Kampfschule, der er den Namen Yoshin-Ryu (Weidenherz-Schule) gab.

So weit einige Geschichten über die Entstehung des Jiu-Jitsu.

Aber auch über die Verbreitung in der "neueren" Zeit gibt es unterschiedliche Versionen.

Im Anschluss an die bereits zuvor erwähnte Tokugawa-Periode folgte die Meiji-Periode. Diese dauerte von 1868 - 1912. Während dieser Zeit wurde der Feudalismus und dadurch auch der Stand der Samurai durch einen kaiserlichen Erlass aufgehoben. Um dies einigermaßen verstehen zu können, muss erwähnt werden, dass zuvor die Herrschaft der Krieger fast ein Jahrtausend angehalten hatte. Während dieser Zeit war der Kaiser zur politischen Ohnmacht verdammt.
Nachdem der letzte Tokugawa-Shogun die Regierungsgewalt wieder in die Hände des Kaisers zurückgegeben hatte, rechnete dieser mit dem Stand der Krieger ab und hob all ihre Privilegien auf. Dies bedeutete fast einen Untergang der meisten Kampfkunstsysteme, denn es begann eine Verdrängung aller traditionellen Werte. Die Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung verlor an Bedeutung und nur noch wenige Japaner beherrschten sie.

Nun kommt einer gewisser Herr Professor Erwin von Baelz (1849 - 1913) ins Spiel. Dieser soll eine wichtige Rolle bei dem Wiederaufleben des Jiu-Jitsu gespielt haben. Zwischen 1876 und 1905 arbeitete er als Professor an der kaiserlichen Universität von Tokyo und war gleichzeitig einer der kaiserlichen Leibärzte. Er wollte seinen Studenten einen körperlichen Ausgleich in Form eines Sportunterrichts anbieten. Hierzu vermittelte er die Kunst des Jiu-Jitsu, dass er anscheinend bei dem Jiu-Jitsu Meister Totsuka in der Provinzhauptstadt Tschiba kennen gelernt hatte. Ein Schüler von Professor Baelz soll Jigoro Kano, der spätere Begründer des Judo, gewesen sein.
Ob dies allerdings der Wahrheit entspricht, ist in der Literatur umstritten.

Den Weg nach Europa fand das Jiu-Jitsu Anfang des 20. Jahrhunderts. Matrosen waren dafür verantwortlich, dass eine neue Kampfmethode in Europa und somit auch in Deutschland eingeführt wurde. Diese wurde Jiu-Jitsu genannt. Im Jahre 1906 eröffnete Erich Rahn die erste Jiu-Jitsu-Schule des Landes, nachdem er das Kampfsystem bei Japanern erlernt hatte.

Ein Jahr später wurde während einem Flottenbesuch zweier japanischer Kriegsschiffe in Kiel die Kampfkunst Jiu-Jitsu vorgeführt. Der anwesende Kaiser Wilhelm II. soll davon so begeistert gewesen sein, dass er für die Militärturnanstalt Berlin einen Jiu-Jitsu Lehrer einstellen lies.

Im Jahre 1922 gründeten die beiden Rahn-Schüler Alfred Rhode und Max Hoppe die ersten Jiu-Jitsu-Vereine in Frankfurt/Main und Berlin.

Für das Jiu-Jitsu im Westen gilt allgemein, dass nur noch selten die ursprünglichen traditionellen Methoden gelehrt werden. Häufig ist eine Mischung aus verschiedenen Kampfkunstsystemen anzutreffen.

(zusammengestellt von Mathias Hörr)


Als weitere Literatur zu der Geschichte der Kampfkünste kann ich folgende Bücher empfehlen:

Das Kampfsport - Lexikon von Aikido bis Zen - erschienen im
Verlag Weinmann Berlin

Ostasiatische Kampfkünste - das Lexikon - erschienen im
Sportverlag Berlin






 
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